Vermeulen, Frans - Konkordanz der Materia Medica
VORWORT ZUR DEUTSCHEN AUFLAGE
Die erste deutsche Ausgabe der Konkordanz ist eine Erweiterung und Korrektur der zweiten englischen Auflage. Phataks Beiträge sind durch Originalquellen ersetzt worden, vor allem aus den Schriften von Hering, Clarke, Kent und Pulford. Außerdem habe ich Clarkes dreibändige Enzyklopädie gründlich durchgearbeitet, um die Arzneimittelbilder zu ergänzen und zu vervollständigen. Aus diesem Grund ist die Konkordanz nochmals umfangreicher geworden, doch der Grundgedanke, auf dem sie basiert, ist unverändert geblieben. Was ich 1994 in der Einleitung schrieb, trifft nach wie vor zu:
„Dieses Buch enthält die größtmögliche Anzahl zuverlässiger Daten der Materia Medica auf kleinstem Raum.” schreibt Boericke in dem Vorwort seiner gepriesenen Materia Medica.
In Anbetracht der zahlreichen guten Arzneimittellehren, die uns zur Verfügung stehen, ist es meines Erachtens an der Zeit, die größtmögliche Anzahl zuverlässiger Symptome zu erweitern, ohne einen zusätzlichen Meter ‘Buchraum’ auf dem Regal eines jeden Homöopathen einzunehmen.
Mit diesem Ziel — die Sammlung einer vollständigen aber handlichen Materia Medica — begann ich mich zu fragen, welche Autoren ich berücksichtigen sollte. Die Informationen und Quellen, die sie benutzten, mussten zuverlässig sein und nicht bloß eine Abschrift der Arbeiten von früheren Autoren. Die Erfahrung zeigt, dass viele Arzneimittellehren beinahe identisch sind, wogegen nichts einzuwenden ist, sofern sie einander ergänzen, zusätzliche Nuancen liefern und Symptome vervollständigen.
So kam ich zu meinem Plan, die Werke zahlreicher Autoren miteinander zu vergleichen, um mir ein vollständigeres Symptomenbild zu verschaffen. Vollständigkeit ist keine Frage der Quantität von mehr Symptomen pro Mittel, sondern der Qualität und bedarf einer sorgfältigen Prüfung jedes einzelnen Symptoms, vorzugsweise, mit einer klaren Beschreibung des Ortes, der Empfindung, Modalitäten, Ausdehnung der Schmerzen und Begleitsymptome. Einzeln erfüllt keiner der Autoren dieses Kriterium, mit Ausnahme natürlich von Herings zehnbändiger Materia Medica. Wenn man jedoch einen Text als Grundlage nimmt, in diesem Falle Boericke, und ihn mit den Beobachtungen anderer Autoren ergänzt, lassen sich Tausende von Seiten von Symptomen auf ein handliches Format reduzieren. Dies ist das Ziel des vorliegenden Werkes.
Nach sorgfältigsten Vergleichen zahlreicher Arzneimittellehren, um zu sehen, welche einander ergänzen, habe ich sieben Werke gefunden, welche die Anforderungen erfüllen. Durch Auslassen von Wiederholungen war ich in der Lage, die verschiedenen Beschreibungen zusammenzufügen. Nach dem Studium von 3807 Textseiten der unten genannten sieben Autoren, sowie Clarkes Enzyklopädie und Kents Repertorium, hatte ich schließlich die Symptome ohne Wiederholungen, die in den Seiten dieser Konkordanz der Materia Medica enthalten sind.
Die Autoren, die ich berücksichtigt habe, sind T.F. Allen, Boericke, Boger, Clarke, Cowperthwaite, Lippe und Pulford. Ich habe folgende Arzneimittellehren verwendet:
- T.F. Allen – A Primer of Materia Medica for Practitioners of Homoeopathy
- W. Boericke – Pocket Manual of Homoeopathic Materia Medica, 9. Auflage
- C.M. Boger – A Synoptic Key of the Materia Medica, vierte Auflage
- A.C. Cowperthwaite – A Text-Book of Materia Medica and Therapeutics
- A. von Lippe – Key Notes & Red Line Symptoms of the Materia Medica
- Pulford – Homoeopathic Materia Medica of Graphic Drug Pictures and Clinical Comments
Die folgenden Werke habe ich ergänzend verwendet:
- J.H. Clarke – A Dictionary of Practical Materia Medica
- J.T. Kent – Repertory of the Homoeopathic Materia Medica, sixth edition
- F. Vermeulen – Synoptic Materia Medica, 1992
In der zweiten Auflage wurden beide Arzneimittellehren von Constantin Hering aufgenommen:
- C. Hering – Condensed Materia Medica
- C. Hering – The Guiding Symptoms of our Materia Medica
Eine kurze Biographie der Autoren, die ich gewählt habe, ist hier eingefügt. [Quellen: Harald C. Gaier – Thorsons Encyclopaedic Dictionary of Homoeopathy, 1991 Jay Yasgur – A Dictionary of Homoeopathic Medical Terminology, 2. Aufl., 1992]
Timothy Field Allen [1837-1902]
Bekannter amerikanischer Homöopath, in Westminster, Vermont, geboren. Sohn eines Arztes. Auch als Organist und Komponist bekannt. Eigene homöopathische Praxis in Brooklyn, New York. 1867 wurde er Professor für Anatomie am New York Homoeopathic Medical College. Vier Jahre später [1871] wurde er zum Professor für Therapeutika und Materia Medica ernannt. Er war auch Direktor einer homöopathischen psychiatrischen Klinik in Middletown, New York, die mehrere Jahrzehnte lang ein Forschungsszentrum für die Behandlung psychischer Krankheiten nach den wissenschaftlichen homöopathischen Prinzipien war.
Wichtigste Veröffentlichungen:
The Encyclopedia of Pure Materia Medica, 12 Bde. [1874-79]
A General Symptom Register of Homoeopathic Materia Medica [1880]
A Handbook of Materia Medica and Homoeopathic Therapeutics [1889]
William Boericke [1849-1929]
Bekannter amerikanischer Homöopath. In Österreich geboren. Studierte ein Jahr lang an der medizinischen Fakultät in Wien, bevor er sich in Ohio niederließ. Abschluss des Medizinstudiums am Philadelphia Medical College 1876. Kurz darauf zog er nach San Francisco um, wo er über fünfzig Jahre lang als Homöopath tätig war. Er war der Mitbegründer des Pacific Homoeopathic Medical College und des Hahnemann Hospital 1881. Diese wurden der Universität von Kalifornien angeschlossen, wo Boericke der erste Professor für homöopathische Therapeutika und Materia Medica wurde, eine Stellung, die er dreißig Jahre lang innehatte.
Wichtigste Veröffentlichungen:
The Twelve Tissue Remedies of Schüssler [1888]
Pocket Manual of Homoeopathic Materia Medica [9. Auflage, 1927]
Cyrus Maxwell Boger [1861-1935]
Amerikanischer Homöopath. Student unter von Boenninghausen; arbeitete ununterbrochen von 1933 bis zu seinem Tod im September 1935 an der Übersetzung, Zusammentragung und Erweiterung von Boenninghausens ‘Characteristics’ und Repertorium. Sein herausragender Beitrag zu dem homöopathischen System war die Koordinierung und Sammlung bedeutender Züge von scheinbar unzusammen-hängenden Symptomengruppen in seinem A Synoptic Key of the Materia Medica. Er suchte nach dem sogenannten ‘Genius’ der Droge, indem er sich auf die Differenzierung konzentrierte.
Wichtigste Veröffentlichungen:
Time of the Remedies and the Moon Phases
A Synoptic Key of the Materia Medica [4. Auflage - 1931]
Allen Corson Cowperthwaite [1848-1915]
Amerikanischer Schriftsteller und Dichter sowie Homöopath, geboren in New Jersey. 1869 Abschluss des Medizinstudiums am Hahnemann Medical College in Philadelphia. Elf Jahre lang war er Professor für Materia Medica und Gynäkologie in der homöopathischen medizinischen Abteilung der Staatsuniversität von Iowa. Als promovierter Jurist leistete er bedeutende Beiträge zu der Stellung der Homöopathie in grundlegenden medizinisch-rechtlichen Angelegenheiten.
Wichtigste Veröffentlichungen:
Elementary Tex-Book of Materia Medica [1880]
Disorders of Menstruation [1888]
Text-Book of Gynaecology [1888]
Text-Book of Materia Medica and Therapeutics [1891]
Adolphus Graf zur Lippe-Weissenfeld [1812-1888]
Nach Constantin Hering war dieser Adlige der bemerkenswerteste Homöopath in Amerika. Er wurde auf dem Landsitz seiner Familie in der Nähe der alten Stadt Görlitz in Schlesien, Sachsen geboren und studierte Recht in Berlin. Später wanderte er nach Amerika aus und studierte Medizin an der Allentown Homoeopathic Academy, Pennsylvania. Nach seinem Abschluss ging er an das Hahnemann Medical College, Philadelphia, wo er 1886 eine Professor für Materia Medica übernahm. Lippe war zu seiner Zeit tief in den wissenschaftlichen Streit bezüglich die Vorzüge der Hochpotenzen verwickelt.
Wichtigste Veröffentlichungen:
What is Homoeopathy?
Key Notes [der Abschnitt ‘Red Line Symptoms’ ist eine Ergänzung, die 1970 von Lippes Artikeln in homöopathischen Zeitschriften weltweit im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts veröffentlicht wurden – jetzt von den Verlegern in sein Buch eingearbeitet].
Text-Book of Materia Medica
Alfred & Dayton Pulford [Alfred, 1863-1948]
Amerikanische Homöopathen, Vater und Sohn. Von den Pulfords ist wenig bekannt, außer dass sie Arzneimittelprüfungen mit neuen Substanzen durchführten und zu bestehenden Arzneimittelbildern interessante neue Symptome beisteuerten. Alfred Pulford war geborener Engländer und wanderte mit 16 Jahren in die USA aus. 1885 schloss er sein Medizinstudium am Cleveland Homoeopathic College ab. Er praktizierte zusammen mit seinem Sohn Dayton in Toledo, Ohio. Dayton Pulford starb 1964 [ungewisse Zeitangabe].
Constantin Hering [1800-1880]
Während Karl Gottlob Hering die Orgel in der Kirche von Oschatz, Sachsen spielte, um das neue Jahrhundert einzuläuten, wurde sein Sohn Constantin kurz nach Mitternacht geboren. „An dem darauffolgenden Tag, als Schnee auf dem Boden lag, wurde das Kind ins Freie getragen, weil die Eltern an Abhärtung glaubten. Meine Großmutter sagte, das Kind sei blau gewesen, als man es ins Haus brachte. Mein Vater, der seinen erstgeborenen Sohn verloren hatte, sagte: ‘Dieser muss leben! Der erste war durch zuviel Verhätschelung geschwächt!” Blau gefroren war er am Anfang, aber leben sollte er.
Herings Vorfahren waren Mähren, die ihren Namen ‘Hring’ aussprachen. Nach einer Blütezeit war das Königreich Mähren im Mittelalter von der Böhmischen Dynastie geschwächt worden und seit 1526 von den Habsburgern regiert. Im 19. Jahrhundert ging das Gebiet in die Tschechoslowakei über.
Nach einem dreijährigen Studium an der chirurgischen Akademie Dresden studierte Hering von 1820 bis 1826 Medizin an der Universität von Leipzig. Er nahm an Hahnemanns Vorlesungen teil, aber schloss sich nicht der exklusiven Studentengruppe um Hahnemann an. Nach Herings Meinung konnte man etwas umbringen, indem man es ins Lächerliche zog. Als Student schrieb er die Satire Allopathie versus Homöopathie gegen Hahnemann. Hahnemann bekam das Stück nie zu Gesicht, weil der Theaterdirektor der Stadt seine Truppe nicht dazu bringen konnte, es zu spielen. Sie waren alle Anhänger der Homöopathie! Es war klug von Hering, Hahnemann nie etwas davon zu sagen.
Die Tatsache, dass Hering ein Bühnenstück schrieb, sagt viel über sein Wesen aus. Er was ein leidenschaftlicher Anhänger von Musik und Theater und schrieb mehrere Librettos und Märchen. Mit der Ausnahme eines kurzen Romans wurden keine dieser Arbeiten je veröffentlicht oder aufgeführt. Der Kurzroman war nicht sehr erfolgreich und wurde zur ‘Papierverschwendung’. „Während er zu dieser Zeit stark dazu geneigt war, die Literatur zum Beruf zu wählen, war er dazu ausersehen, seinen Kurs zu ändern und sein Talent medizinischen Schriften im Dienste Hahnemanns und der Homöopathie zu widmen.” enthüllte sein Schwiegersohn Calvin B. Knerr später. Hering, der von seinen Freunden den Spitznamen ‘Büffel’ hatte und von seinen allopathischen Feinden ‘der verdammte Holländer’ genannt wurde, begann seine homöopathische Karriere in Deutschland. Anfangs war er der Homöopathie sehr skeptisch gegenüber. – „Ich kam beinahe zu dem Schluss, dass das ganze Geschäft nichts als ein Schwindel sei.” – und wurde später „versessen darauf, die Grenzen zwischen Wahrheit und Irrtum in der Homöopathie herauszufinden.” Sein Enthusiasmus wuchs. „Ich wurde zu einem Fanatiker. Ich reiste im Land umher, besuchte Gasthäuser, stieg dort auf die Tische und Bänke und hielt den Anwesenden Gästen glühende Reden über die Homöopathie. Ich sagte den Leuten, sie seien in den Händen von Halsabschneidern und Mördern. Ich heilte viele Leute. Der Erfolg kam überall. Ich glaubte beinahe, Tote auferwecken zu können.”
Für jemanden, der kurz zuvor einen Artikel mit dem Titel Die Homöopathie ist tot! veröffentlicht hatte, war dies beinahe eine Reue auf dem Sterbebett. Er war in eine Sackgasse geraten, als er ein Autopsie an einem Selbstmordopfer durchführte. Eine Infektion, die er sich bei der Sektion zuzog, drohte, sein Leben vorzeitig zu beenden. Einige Tropfen Arsenicum – das Wiederbelebungsmittel – „in lächerlich kleinen Dosierungen” retteten ihm das Leben. „Ich habe noch den Finger; es ist derselbe, mit dem ich dies hier schreibe, und vor allem habe ich meine ganze Hand, Leib und Seele dem Geschenk verschrieben, das Hahnemann dem Leiden der Menschheit gemacht hat. Seine Lehren haben nicht nur meine körperliche Gesundheit wiederhergestellt, sondern meinem Leben einen neuen Sinn gegeben.”
1827 wurde Hering nach Suriname geschickt, um zoologische und botanische Forschungen und Sammlungen für das Museum des Königs von Sachsen durchzuführen. In Suriname führte er ein Jahr lang seine Sammlungen durch und widmete sich anschließend der Praxis der Homöopathie. Seine berühmte Monographie von Lachesis war eines der Ergebnisse dieses sechsjährigen Aufenthalts in den Tropen. Hering kehrte 1833 für kurze Zeit nach Sachsen zurück und wanderte dann nach Nordamerika aus, um sich in Philadelphia niederzulassen.
Herings Haus wurde bald zu einem Treffpunkt für Homöopathen und Künstler. Diese ‘Tischrunde’ traf sich Sonntags im Hinterzimmer, mit Hering als Mittelpunkt des Kreises. Hier wurden bei Kaffee und Zigarren lebhafte Unterhaltungen über verschiedene Themen geführt. [Daher das regelmäßig wiederkehrende Prüfungssymptom ‘Abneigung gegen seine gewohnte Zigarre.’]
In Philadelphia entwickelte sich Hering zum ‘Vater der amerikanischen Homöopathie’. „Es war weitgehend seiner unverwüstlichen Gleichmut und steten Dynamik zu verdanken, dass die Homöopathie eine außerordentliche Blütezeit in diesem Land erlebte, die etwa siebzig Jahre anhielt [bis etwa 1910]. Doch Herings Verdienst war vor allem ein Beitrag zur Verankerung der homöopathischen Grundlagen und ging weit über Staatsgrenzen oder Sprachgruppen hinaus.” [Gaier, S. 235] [Zitat: Calvin B. Knerr – Life of Hering]
Herings Kurzgefasste Arzneimittellehre und Leitsymptome der Materia Medica
Die Arzneimittellehre wurde ungefähr gleichzeitig mit den ersten Bänden der Leitsymptome veröffentlicht. Der Titel reflektiert die Absicht des Buches: „Dem Studenten der Homöopathie in kurzgefasster Form das absolut notwendige Material zu geben, das es ihm ermöglicht, in relativ kurzer Zeit Wissen von wichtigen Leitsymptomen und Zuständen zu erwerben, die für jedes Arzneimittel charakteristisch sind.” Die Anordnung der Arzneimittellehre unterscheidet sich kaum von der der Leitsymptome. Beide haben 48 Rubriken. Bezüglich der Werte jedoch gibt es große Unterschiede. Die Leitsymptome sind voller Symptome, die mit | oder || gekenn-zeichnet sind, diese wurden in der Arzneimittellehre sparsam verwendet. In den Leitsymptomen bezeichnen | oder ||Symptome, die durch Heilungen verifiziert sind, in der Arzneimittellehre indizieren sie Charakteristika, die in den Leitsymptomen durch || gekennzeichnet sind.
Struktur der Leitsymptome
Das Repertorium bezieht sich direkt auf die Materia Medica. Dem Beispiel Boenninghausens folgend verwendete Hering in den Leitsymptomen ‘vier Unterscheidungsmerkmale’. Sie sollten das Studium des relativen Wertes der Symptome erleichtern.
Als ich Herings Symptome in die Konkordanz aufnahm, überlegte ich, ob ich die Werte beibehalten sollte, wie sie bei Kent aufgeführt sind. War es notwendig, alle von Heilungen verifizierten Symptome, die mit | bezeichnet sind, kursiv zu schreiben? Nach reiflicher Überlegung und sorgfältigem Studium der Symptome entschloss ich mich zum Normaldruck. Dies sind meine Gründe:
Wie der Text zeigt, ist ein Symptom mit | ein Symptom von einem Patienten, das nach der Gabe des richtigen Arzneimittels verschwand. Soweit ich feststellen konnte, sind die |-Symptome selten Prüfungssymptome, die in der Praxis geheilt wurden.
Symptome mit | gehören nur zu einer Person.
Hering hatte die Angewohnheit, jedes geheilte Symptom auf einem einzelnen Zettel aufzuzeichnen. Als er seine Rubriken für seine Leitsymptome zusammenstellte, klassifizierte er die Zettel und schrieb sie ab. Ein auffallender Zug ist die Wiederholung von sehr ähnlichen Symptomen in Rubriken. Zum Beispiel unter Hydrastis ‘Geruch’ und ‘Nase’ [Band 6]. Mit Bezug auf die Art des Nasensekrets kommt das Wort ‘dick’ acht Mal vor, zusammen mit unterschiedlichen Farben: weiß oder gelb. Am Ende der Rubrik ‘Herz, Puls und Kreislauf’ bei Kalmia wird fünf Mal ‘langsamer Puls’ erwähnt. Die Halssymptome von Lachesis zeigen dasselbe System der Aufzeichnung. Das Symptom ‘verläuft sich in wohlbekannten Straßen’ ist unter Glonoinum vier Mal erwähnt usw.
In verschiedenen Rubriken nimmt Hering Zusammenfassungen von geheilten Fällen auf. Gewöhnlich sind sie am Ende einer Rubrik aufgeführt und mit || oder | bezeichnet. Von diesen Fällen wurden Symptome genommen, die woanders getrennt erwähnt sind. Die Wortwahl ist genau dieselbe. Ebenso alle Angaben die mit einem ‘Theta’ vermerkt sind, zur Bezeichnung pathologischer Zustände oder physiologischer Allgemeinzustände. Eine dritte Möglichkeit ist es, unter ‘Lebensabschnitten, Konstitution’ [Rubrik 47] nachzuschlagen. Hier findet man einige kurze Einzelheiten über den Patienten. Selten oder nie sind Symptome verallgemeinert. Sie beziehen sich nur auf eine Person.
Die Auswahl des spezifischen Mittels wurde auf allgemeinen Charakteristika begründet, wie Empfindungen, Modalitäten, Begleitsymptome, Disposition usw. Die Fälle liefern zahlreiche Beispiele dafür. Die Symptome, die zu Beginn des Falles erwähnt werden, enthalten die Beschwerde[n], wegen der ein Patient in die Behandlung kam. Diese, für die Arzneimittelwahl ‘sekundären Symptome’, wurden durch das Simillimum geheilt und erhielten daher ein |.
Symptome ohne Bezeichnung ebenso wie solche mit |, || oder | sind in der Konkordanz im Normaldruck aufgeführt. Symptome mit || sind kursiv gedruckt. Mit Bezug auf Arzneimittel, die nur in den ‘Leitsymptomen’ [nicht aber in der ‘Arzneimittellehre’] aufgeführt sind, bin ich anders vorgegangen. Hier sind die klinischen Symptome [Symptome mit einem |] kursiv und die Symptome mit || in Kapitälchen gedruckt. Herings Unterscheidungen bezeichnen den Ursprung der Symptome, nicht ihren Wert!
Prüfungssymptome
Hering hat ziemlich viele Arzneimittelprüfungen durchgeführt. Er hat auch die Prüfungen und Beobachtungen anderer verwendet. Prüfungssymptome in den Leitsymptomen lassen sich durch die Kombination von zwei Dingen erkennen: die Wortwahl [siehe z.B. Lyssinum, insbesondere den Gemütsabschnitt, oder Arsenicum hydrogenisatum, Castor equi und Palladium] und häufig das Fehlen von Unterscheidungskennzeichen. Hering arbeitete wissenschaftlich. „Es war zeitlebens mein Grundsatz, nichts als wahr zu akzeptieren, was sich nicht mit mathematischer Genauigkeit beweisen lässt,” erklärt er in seinem Vorwort zu den ‘Leitsymptomen’. Der Nutzen der Prüfungssymptome musste erst in der Praxis getestet werden. Außer wenn sie wiederholt erwähnt wurden, sind Prüfungssymptome in den ‘Leitsymptomen’ nur einmal beobachtet worden. Demzufolge erscheint der Unterschied zwischen einem Prüfungssymptom und einem geheilten Symptom [Symptome mit einem y] unzureichend, um einen Wertunterschied im Repertorium zu rechtfertigen.
Kollektive Rubriken in den Leitsymptomen
Kollektive Rubriken kommen in den Leitsymptomen häufig vor. Sie sind durch den Doppelpunkt hinter dem Symptom gekennzeichnet. Auf den Doppelpunkt folgt eine Aufzählung von Ursachen, Modalitäten und Begleitsymptomen, die sich auf das Symptom beziehen. Das Unterscheidungsmerkmal vor dem Symptom bezieht sich meines Erachtens auf das Symptom selbst, nicht auf die Liste hinter dem Doppelpunkt. Das Merkmal kann mit dem Ausmaß der Aufzählung zusammenhängen. Bei Natrium muriaticum zum Beispiel ist das Symptom ‘Schwindel’ zwei- oder dreiwertig [abhängig von der Interpretation der Symptome mit ||], aber die einzelnen Symptome hinter dem Doppelpunkt sind es nicht. Dies erscheint mir die einzige Erklärung dafür zu sein, warum vereinzelt nach dem Doppelpunkt in kollektiven Rubriken ein einzelnes Symptom einen anderen Wert hat. Die Begründung, dass solche Fälle einen geringeren Wert indizieren als das Hauptsymptom erscheint unlogisch. Das Gegenteil ist offensichtlicher: Hering wollte solche Symptome unterstreichen und gab ihnen daher eine andere Bezeichnung. Kent basierte die Bewertung in seinem Repertorium auf der Hauptbezeichnung der kollektiven Rubriken und schloss gewöhnlich [aber nicht immer] alle Symptome hinter dem Doppelpunkt mit ein, mit dem Ergebnis, dass sich Probleme ergeben, wenn die meisten Schwindelsymptome von Nat-m. als dreiwertig erscheinen.
Intermezzo – Lebensabschnitte, Konstitution
Die 47. von Herings 48 Rubriken trägt den Titel ‘Lebensabschnitte, Konstitution’ und ist eine getreue Wiedergabe der geheilten Fälle. In den ersten beiden Bänden, für die Hering selbst verantwortlich war, ist die 47. Rubrik weniger detailliert als in den nachfolgenden acht Bänden. Hering war damit beschäftigt, das Material von Calcium carbonicum zu sammeln, als das Schicksal ihn ereilte und er ‘plötzlich und unerwartet’ am späten Abend des 23. Juli 1880 an einem akuten Herzinfarkt starb. Das Material der folgenden Bände wurde von Raue, Mohr und Herings Schwiegersohn sorgfältig ausgewählt und zusammengestellt, wobei sie sich mit größter Genauigkeit an Herings Manuskripte hielten. Der unveränderte allgemeine Rahmen wurde von den drei Männern durch eine Rubrik ergänzt, die sie ‘Klinische Quellen’ nannten und die alle Quellenangaben aus der homöopathischen Literatur enthielt. Zusätzlich erweiterten sie die 47. Rubrik. Interessehalber habe ich mir einmal einen Tag frei genommen und die geheilten Fälle gezählt. Diese Beschäftigung ergab einige interessante Informationen, allerdings etwas beeinträchtigt durch die Unvollständigkeit der 47. Rubrik in den ersten drei Bänden. Darum fehlen Polychreste wie Arsenicum, Belladonna und Calcium carbonicum in den unten angeführten ‘Statistiken’. Die Gesamtzahl der geheilten Fälle beläuft sich auf etwa 5350 Patienten. Dreißig Heilungen oder mehr wurden mit den folgenden Arzneimitteln erzielt: Nux vomica [326 Patienten]. Sulfur [285], Pulsatilla [197], Phosphorus [180], Lachesis [160], Lycopodium [135], Mercurius [123], Rhus tox. [119], Kalium bichromicum [114], Silicea [108], Sepia [105], Natrium muriaticum [88], Ignatia [70], Chelidonium [68], Hepar sulfuris [66], Stramonium [59], Kalium carbonicum [58], Opium [57], Acidum nitricum [55], Thuja [54], Veratrum album [53], Ipecacuanha [51], Tarentula [50], China [45], Causticum [43], Apis [42], Iodum [41], Conium [38], Secale [38], Chininum sulfuricum [36], Colocynthis [36], Gelsemium [36], Acidum phosphoricum [36], Plumbum [36], Hydrastis [35], Mercurius corrosivus [34], Psorinum [34], Cocculus [33], Crotalus horridus [33], Mezereum [33], Phytolacca [33], Graphites [32], Hyoscyamus [31], Stannum [31], Chamomilla [30], Cuprum [30], Platina [30]. Sogenannte ‘Männermittel’ waren schwer zu finden. Zwei von drei Patienten [einschließlich Jungen] waren männlich bei Cicuta, Hepar sulfuris, Acidum nitricum, Acidum phosphoricum und Syphilinum. Sieben von acht Acidum fluoricum-Patienten waren männlich. ‘Frauenmittel’ waren leichter zu finden: Carbo animalis [11 von 11 Patienten waren weiblich], Conium [30 von 38], Ignatia [52 von 70], Iris versicolor [12 von 14], Magnesium muriaticum [19 von 23], Magnesium phosphoricum [19 von 25], Murex [8 von 8], Naja [7 von 9], Nux moschata [21 von 23], Physostigma [dasselbe Mittel wie Calabar] [10 von 12], Platina [29 von 30], Pulsatilla [140 von 197], Sabina [23 von 24], Sepia [77 von 105], Tarentula [37 von 50], Ustilago [24 von 26], Viburnum [12 von 12; davon litten 10 an Dysmenorrhoe]. Zwei von drei Patienten [einschließlich Mädchen] waren weiblich bei Apis, Cactus, Causticum, Chamomilla, China, Cocculus, Cuprum, Digitalis, Gelsemium, Glonoinum, Graphites, Ipecacuanha, Kalium carbonicum, Kreosotum, Lac caninum, Lachesis, Mercurius cyanatus, Mercurius iodatus flavus, Moschus, Natrium sulfuricum, Sanguinaria, Secale, Silicea, Spongia, Veratrum album, Veratrum viride und Zincum. Bei einigen Arzneimitteln war das Verhältnis beinahe gleich: Crotalus horridus [16 männlich, 17 weiblich], Ferrum metallicum [10/8], Lycopodium [58/78], Mercurius [59/64], Mercurius corrosivus [18/16], Natrium muriaticum [46/42], Nux vomica [171/155], Phosphorus [93/87], Stramonium [32/37], Sulfur [147/138], Thuja [26/28].
Abgesehen von wenigen Ausnahmen scheinen diese Zahlen den durchschnittlichen Ergebnissen der zeitgenössischen Praxis zu entsprechen.
DER AUFBAU DER KONKORDANZ
Der Ausgangspunkt für dieses Buch ist Boerickes Handbuch. Sein vollständiger Text ist verwendet und, wo dies notwendig war, korrigiert worden, da Boericke bei der Klassifizierung von Symptomen in Rubriken nicht immer ganz genau war. Mir sind einige bemerkenswerte – und manchmal amüsante – Fehler begegnet, wie etwa ‘geruchsempfindlich’ unter der Rubrik ‘Augen’, Gemütsymptome unter ‘Kopf’ und Beschwerden mit dem Stuhlgang unter ‘Magen’, um nur einige zu erwähnen. Ich habe jedes Symptom der korrekten Rubrik zugeordnet und mich dabei weitgehend an die Struktur von Kents Repertorium gehalten. Wo Symptome des Handbuches unvollständig waren, habe ich sie mit dem vollständigen Symptom in dem Wortlaut ersetzt, wie es bei einem anderen Autor erwähnt ist. Boericke hat seine Symptome weitgehend von den Leitsymptomen hergeleitet. Außer der Ungenauigkeit war Boerickes Handbuch so unvollständig, dass recht häufig Korrekturen notwendig waren. Manche Brüche in Symptomen von anderen Autoren machten ebenfalls Ergänzungen oder Korrekturen notwendig. Zum Beispiel „schmerzhaftes Kribbeln in den Schienbeinen nachts, wenn die Füße bedeckt sind” ist ein Symptom, das bei Cowperthwaite unter Extremitäten bei Rhus toxicodendron verzeichnet ist. Obgleich es ein recht sonderbares Symptom zu sein scheint, hat es sich als Druckfehler herausgestellt. In Herings Leitsymptomen finden wir, dass die richtige Modalität heißen muss, „wenn die Füße übereinander geschlagen sind.”
Neue Rubriken
Durch Ergänzung der Symptome von Herings Kurzgefasster Arzneimittellehre sowie der Leitsymptome wurden manche Rubriken so groß, dass sie unübersichtlich waren. Aus diesem Grund habe ich die Rubriken in der zweiten Ausgabe erweitert. Die Rubrik Augen wurde in zwei getrennte Rubriken ‘Augen’ und ‘Sehen’ unterteilt. Ebenso die Ohren-Rubrik in ‘Ohren’ und ‘Hören’. Vor der Magen-Rubrik ist eine neue Rubrik ‘Nahrung’ eingefügt worden. Diese enthält Informationen über Appetit, Durst, Rauchen, Abneigungen und Gelüste, ebenso wie Beschwerden durch Essen und Trinken allgemein, sowie spezifischer Nahrungsmittel und Getränke. Die Mund-Rubrik wurde in ‘Mund’ und ‘Zähne’ unterteilt. Zahnfleischsymptome wurden unter ‘Zähne’ eingeordnet. Die Rubrik ‘Atmung’ wurde in drei neue Rubriken aufgeteilt: ‘Atmung’, ‘Husten’ und ‘Sputum’ [Expektoration]. Die Ergänzungen von Herings Symptomen drohten den Rahmen der Extremitäten zu sprengen. Daher wurden sie durch ein Trio ersetzt: Extremitäten [allgemein], Obere Extremitäten und Untere Extremitäten. Die Rubrik ‘Untere Extremitäten’ ist gewöhnlich größer als die der oberen. Wenn dies nicht der Fall ist – z.B. bei Crotalus horridus, Lobelia, Sanguinaria, Stannum, Ustilago und Viola odorata – liefert dies interessante Aufschlüsse. Auf die Schlafrubrik folgt eine neue Rubrik ‘Träume’. In der alten Literatur scheinen die Begriffe ‘Fieber’ und ‘Hitze’ austauschbar zu sein. Streng genommen müssen sie jedoch differenziert werden. Fieber umfasst eine Mischung oder Folge von drei Stadien: Hitze [Hitzestadium], Frost [Kältestadium] und Schweiß [Schwitzstadium]. Informationen zu allen drei Stadien oder Fieber allgemein habe ich in die Rubrik ‘Fieber’ eingeordnet. Die Rubrik ‘Frost’ enthält das Kältestadium [Frost] und die Kälteempfindlichkeit [Frieren, Frostgefühl]. Die Rubrik ‘Hitze’ umfasst das Hitzestadium des Fiebers und ‘Warmblütigkeit’ allgemein. Die Umstände und Modalitäten des Schwitzens sind der Rubrik ‘Schweiß’ zugeordnet.
Herz- und Kreislaufsymptome sind in einer getrennten Rubrik ‘Herz’ aufgeführt. In Kents Repertorium sind diese Symptome unter ‘Brust’ zu finden. Prostatasymptome habe ich nicht der Rubrik ‘Harnwege’ zugeordnet, sondern unter ‘Männer’ [männliche Fortpflanzungsorgane] aufgeführt.
Die Klassifizierung von Kopf bis Fuß ist durchgängig verwendet worden. Der Liste von Rubriken geht bei jedem Arzneimittel ein Abschnitt voraus, der bei Boericke direkt auf den Namen des Mittels folgt und bei Allen, Cowperthwaite usw. unter der Überschrift ‘Allgemeines’ zu finden ist. Diese beiden Rubriken habe ich in eine Rubrik zusammengefasst und ‘Charakteristika’ genannt. Sie enthält die Allgemeinsymptome und die typischen [allgemeinen oder örtlichen] Symptome eines Arzneimittels.
Quellen
Von den oben genannten Quellen habe ich folgenden Inhalt verwendet: 1 - Den vollständigen Text von Pocket Manual of Homoeopathic Materia Medica von Boericke. 2 - Den vollständigen Text von A Synoptic Key von Boger, ergänzt durch den Anteil der Arzneimittellehre von Boenninghausens Characteristics and Repertory. 3 – Den vollständigen Text von Key Note & Red Line Symptoms von Lippe. 4 - Den vollständigen Text von A Primer of Materia Medica von T.F. Allen. 5 – Den vollständigen Text von Pulfords Graphic Drug Pictures. Pulford hat seinen Text in einen allgemeinen Teil und einen sogenannten ‘klinischen’ Teil getrennt. Letzterer ist mit Cowperthwaites ‘Therapeutics’ vergleichbar, mit dem wichtigen Unterschied, dass Pulford viel mehr subjektive und charakteristische Symptome hat und den Modalitäten mehr Platz einräumt. Anders als Pulfords Arbeit steuern Cowperthwaites Auflistungen von Krankheiten und klinischen Begleitumständen keine neuen Informationen zu dem Symptomenüberblick bei. Wer sich die Mühe macht, durch das Chaos von Kommas und Semikolons zu waten, das Pulford zur Kodifizierung und der grammatikalischen Korrektheit halber verwendet, wird regelmäßig mit wahren Perlen der Weisheit belohnt. Von allen Arzneimittellehren, die ich unter die Lupe genommen habe, fand ich Pulfords Buch am amüsantesten – obgleich es zweifellos ernst gemeint ist. Trotz des Chaos – oder vielleicht gerade deswegen – hat es mich am meisten zum Lachen gebracht. Nachdem ich Boerickes Text aufgenommen und korrigiert hatte, bin ich die einzelnen Rubriken und Arzneimittel in den anderen Arzneimittellehren einer bestimmen Reihenfolge nach durchgegangen. Pulford war der letzte Autor, den ich bezüglich des Inhalts der Rubriken zu Rate zog. Der Grund war der, dass er keine getrennten Rubriken auflistet, sondern stattdessen alle Symptome vom Gemüt bis zu den Fußsohlen in einem einzigen Satz von manchmal unvorstellbarer Länge zusammenfasst. Über 90% aller Symptome waren bereits von den anderen Autoren erwähnt. Daher habe ich nur wertvolle Eigenarten und Modalitäten von Pulford berücksichtigt. 6 – Den vollständigen Text von A Text-Book of Materia Medica von Cowperthwaite, mit Ausnahme der Rubriken ‘General Analysis’ und ‘Therapeutics’. Ich habe festgestellt, dass die Beschreibungen der Arzneimittel in seinem Anhang [Seite 805 ff.] mit Boerickes Beschreibungen derselben Mittel identisch sind. Cowperthwaite hat diesen Anhang der zehnten Auflage seiner Arzneimittellehre zugefügt, die 1909 veröffentlicht wurde. Boerickes Handbuch stammt von 1901, was wenig Zweifel daran lässt, wer wem ein Kompliment gemacht hat. 7 – Gemütssymptome, die von den anderen Autoren nicht oder nur unvollständig erwähnt wurden, habe ich Kents Repertorium entnommen. Wo dies angebracht war, habe ich auch örtliche Symptome von Kent aufgenommen. Für detailliertere Informationen habe ich hin und wieder seine Lectures on Homoeopathic Materia Medica verwendet. 8 - Clarkes Text ist nicht vollständig eingearbeitet. Das hätte den Rahmen dieser Materia Medica gesprengt. Die Beziehungen zwischen homöopathischen Mitteln sind ein kompliziertes und besonders ärgerliches Unterfangen. In seinen ‘Arzneimittelbeziehungen’ liefert Clarke oft ausgezeichnete Differenzierungen, die meines Erachtens manchmal ans Subtile grenzen. Zur Erleichterung der Auffindbarkeit der Arzneimittelbeziehungen habe ich Clarkes Text adaptiert und die Mittel in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet. Die Arzneimittel von anderen Autoren sind ebenfalls alphabetisch angeordnet, ebenso die Antidote, Ergänzungsmittel usw. Zusätzlich liefert Clarke Informationen über die Modalitäten am Ende seiner ‘Charakteristika’ – mit anderen Worten, er führt die Begleitumstände und/oder Beschwerden and, zu denen die relevanten Modalitäten passen. Diesen Teil habe ich ebenfalls aufgenommen. [Manchmal kommen hier Wiederholungen von Herings Symptomen vor]. Der Grundlagentext schließlich ist durch typische Symptome angereichert, die ausschließlich bei Clarke erwähnt werden. 9 - Von meiner eigenen Synoptic Materia Medica habe ich ‘zeitgenössische Symptome’ aufgenommen, die ich für relevant hielt. Ich habe auch die ‘Verlangen’ und ‘Abneigungen’ erweitert. In dieser Auflage sind sie unter ‘Nahrung’ aufgeführt. 10 – Condensed Materia Medica und Guiding Symptoms von Hering.
Es mag unwahrscheinlich erscheinen, dass die 6968 Seiten der beiden Arzneimittellehren von Hering in ein Buch aufgenommen werden konnten, dass weniger als 2000 Seiten umfasst. Ich habe mit der Kurzgefassten Arzneimittellehre begonnen und davon genommen, was in der Konkordanz fehlte. Als Nächstes habe ich jeden Satz und jedes Symptom der Leitsymptome durchgearbeitet. Es schien mir, als unterscheide sie sich geringfügig von der Kurzgefassten Arzneimittellehre. Letztere enthält auch einige Symptome, die in den Leitsymptomen nicht erwähnt sind. Es ist überflüssig zu sagen, dass die Leitsymptome viel zu bieten haben, allerdings enthalten sie recht viele Wiederholungen. Hering verwendet sogenannte ‘Indexrubriken’. Diese sind numeriert 35 [Ruhe; Stellung; Bewegung], 36 [Nerven], 38 [Zeit], 39 [Temperatur und Wetter], 41 [Anfälle, Periodizität], 42 [Ort und Richtung], 43 [Empfindungen], 44 [Gewebe], 45 [Berührung; passive Bewegung; Verletzung], 47 [Lebensabschnitte, Konstitution] und 48 [Beziehungen]. Den Inhalt einiger dieser Rubriken habe ich in ‘Charakteristika’ aufgenommen. Die übrigen Indexrubriken enthielten selten Symptome, die nicht bereits von Hering in den gewohnten Kopf-bis-Fuß-Rubriken enthalten waren. Die Leitsymptome sind keine leichte Lektüre. Der Aufbau, die Indexrubriken und die Fallberichte, die manchmal eine ganze Seite füllen, verleihen ihm seinen beeindruckenden und unhandlichen Umfang. Als ich die Fälle mit den woanders erwähnten Symptomen verglich, fand ich viele Wiederholungen. Diese konnten ausgelassen werden. Alle Autoren, die ich in der ersten Auflage der Konkordanz verwendet habe, basierten direkt oder indirekt hauptsächlich auf Herings Werk. Was diese vergessen oder ausgelassen haben, machte die zusätzlichen 700 Seiten der vorliegenden Auflage aus.
Kategorien
Um mich an den ursprünglichen Plan zu halten, eine vollständige aber handliche Materia Medica zusammenzustellen, habe ich die Daten so angeordnet, dass alles zwischen zwei Buchdeckel passt. Die gesamte Information ist in einem Telegrammstil gehalten, und ich hoffe, dass dies die Lesbarkeit nicht beeinträchtigt. Die meisten Kopf-bis-Fuß-Rubriken sind drei Kategorien zugeordnet: Empfindungen, Schmerzen, objektive Symptome. Zuerst kommen die subjektiven Empfindungen [mit SE bezeichnet], danach die Schmerzqualitäten [mit SQ bezeichnet] und schließlich die objektiven Symptome [mit OS bezeichnet].
Die Kategorisierung ist eine mehr oder weniger subjektive Angelegenheit. Was ein Homöopath einer Kategorie zuordnet, wird ein zweiter Homöopath in eine andere Kategorie einfügen. Die Klassifizierungen in diesem Buch dienen als Hinweise; sie erheben keinen Anspruch auf absolute Gültigkeit. Was ursprünglich als Platzersparnis gedacht war, stellte sich bald als unerwartet vorteilhaft heraus. Es erleichtert die Auffindung der Symptome und erlaubt es einem darüberhinaus, sich einen Eindruck von dem Grundwesen eines Arzneimittels zu verschaffen, indem man sich das Verhältnis der Kategorien zueinander ansieht. ‘Hysterische Arzneimittel’ haben mehr subjektive Empfindungen, bei syphilitischen Arzneimitteln hingegen sind die objektiven Symptome häufiger. Letzteres ist nicht verwunderlich, da derartige Mittel auf einer tieferen pathologisch/physischen Ebene wirken als die Antipsorika. Vgl. zum Beispiel Arzneimittel wie Platinum, Moschus und Ignatia mit syphilitischen Mitteln wie Acidum nitricum, Kalium bichromicum und Mercurius. Dies ist kein völlig zuverlässiges Kriterium, aber es liefert einige Aufschlüsse. Viele homöopathische Arzneimittel sind nur teilweise oder sogar überhaupt nicht geprüft. Basierend auf klinischen Beobachtungen beruhen ihre Arzneimittelbilder vorwiegend auf objektiven Symptomen. Subjektive Empfindungen können an Wahnideen grenzen. Sie können auch Schmerzen näher beschreiben, und zwar manchmal auf sehr poetische Art. Apropos Subjektivität, die verschiedenen Autoren, deren Arzneimittellehren ich zu Rate gezogen habe, unterscheiden sich sehr bezüglich ihrer Darstellung der Schmerzen. Was einer als Schmerz beschrieb, war bei einem anderen als Empfindung erwähnt. Obgleich Unstimmigkeiten dieser Art verwirrend sein können, habe ich mich entschlossen, den Originalstil beizubehalten und Beschreibungen und Ausdrücke so wenig wie möglich zu verändern. Der authentische Wortlaut [der Prüfer, Patienten oder Beobachter der Prüfung] trägt zur Erstellung einer Materia Medica bei und verleiht ihr den Charme, der einem Repertorium unvermeidlich fehlt. Andererseits bedeutet es, dass Zweifelsfälle wie ‘wund, zerschlagen’ oder ‘verstaucht’ bei einem Autor unter SE stehen und bei einem anderen unter SQ. ‘Grenzsymptome’ schaffen Probleme, wenn man Symptome Kategorien zuordnet. Ist Taubheitsgefühl eine Empfindung oder ein objektives Symptom? Objektiv kann eine Störung des Kreislaufs oder des Nervensystems vorliegen, aber für den Patienten oder Prüfer ist dies ein zweitrangiges Problem. Er verwendet den Ausdruck ‘Taubheitsgefühl.’ Ebenso verhält es sich mit Symptomen wie ‘Beklemmung’ und ‘Einschnürung’. Ich habe sie unter SE eingeordnet. Geschmack im Mund und Geräusche in den Ohren habe ich ebenfalls unter SE eingefügt, sofern keine näheren Einzelheiten bekannt waren. ‘Verlust des Geruchssinnes’ wurde unter OB aufgenommen, während ‘Geruch nach Dünger in der Nase’ eindeutig zu SE gehört [Personen im Schweinestall ausgenommen].
Um Platz zu sparen, habe ich das Wort ‘Schmerzen’ in der Kategorie SQ häufig ausgelassen und durch ein Komma ersetzt.
Sätze, die mit ‘während’ oder ‘mit’ beginnen, bezeichnen ein Begleitsymptom. Zum Beispiel: Kopf – SQ Mit Flackern vor den Augen. [Kopfschmerzen & Flackern vor den Augen.] Magen – SQ Während Schwindel [Magenschmerzen & Schwindel.]
Manche Sätze bestehen nur aus einem Begleitumstand oder einer Modalität. Diese sind die zweite Hälfte eines Symptoms. Die Rubrik und Kategorie bezeichnen die erste Hälfte. Zum Beispiel: Rücken – SQ Im Freien. Besser: nach hinten beugen, reiben. Beim bergab Gehen. Vor einem Gewitter.
Hier sind vier unterschiedliche Symptome aufgeführt: Rückenschmerzen im Freien. Rückenschmerzen > nach hinten beugen, reiben. Rückenschmerzen wenn man bergab geht. Rückenschmerzen vor einem Gewitter.
Rubriken ohne Kategorien, wie etwa Schwindel, Sehen, Hören, Husten, Frost, Hitze, Schweiß sind nach demselben Schema angeordnet. Zum Beispiel: Schwindel – Mit Übelkeit. Beim vornüber Beugen. Beim Heben der Arme.
Sehen – Getrübt, beim Gehen im Freien. Verlust, durch Schreck. Funken. ‘Sehkraft’ bzw. ‘vor den Augen’ ist ausgelassen bzw. durch ein Komma ersetzt. Husten – Um 5 Uhr. Beim Eintreten in einen warmen Raum.
Das Wort ‘Empfindung’ ist in der Kategorie SE weitgehend ausgelassen worden, Symptome beginnen häufig mit ‘als’ oder ‘wie’. Zum Beispiel: Kopf – SE Als würde der Schädel abgehoben. Als bewege sich das Gehirn. Wie Wasser, das im Kopf spritzt.
Symptome findet man am besten, wenn man die ganze Rubrik durchliest.
Begleitsymptome kommen hauptsächlich in den Kategorien SQ und OS vor.
Vereinzelt wurden die Zeichen ‘<’ bzw. ‘>’ durch ‘schlimmer’ und ‘besser’ ersetzt, besonders am Anfang eines Satzes. Damit sie in der Symptomenvielfalt nicht verloren gehen, wurden sie manchmal kursiv gedruckt. Dies ist keine Wertbezeichnung.
Jeder Satz ist ein getrenntes Symptom!
Rubriken
Jede Rubrik in der Konkordanz beginnt mit Boerickes Symptomen und ist durch die Symptome der anderen Autoren ergänzt. Zum Beispiel: Extremitäten – SQ Zerschlagen am linken inneren Fußknöchel. Reißen in den Füßen, manchmal in Fußsohlen, Fußrücken, Fersen oder Zehen; in Tarsal- und Metatarsalknochen. 3Bohren in den Gelenken. 4Stiche in den Hüften beim Gehen. 5Rheumaschmerzen in Gliedern und Rücken, < Sitzen, > Hinlegen.
Die ersten beiden Symptome stammen von Boericke. Darauf folgen Symptome von Lippe [3], Allen [4] und Pulford [5].
Zusätzlich wurden Symptome von Boericke häufig durch Informationen der anderen Autoren ergänzt. Zum Beispiel: Charakteristika – Patient fühlt sich kalt bis auf die Knochen; 2kann nicht warm werden.
Wenn einem Boericke-Symptom eine Beobachtung von einem oder mehreren der anderen Autoren zugefügt wird [in diesem Fall von Boger], wird Letzteres hinter ein Semikolon gesetzt. Das Symptom, das in einem neuen Satz folgt, ist wieder von Boericke, es sei denn es ist durch eine Ziffer nach dem Punkt anders bezeichnet, oder es folgen mehrere Symptome, jeweils durch ein Semikolon getrennt. In beiden Fällen stammen diese Symptome von den Autoren, die durch die Ziffer bezeichnet sind. Die nächste neue Rubrik beginnt wieder mit Boericke-Symptomen usw.
In manchen Fällen wurden Ergänzungen in Klammern gesetzt. Damit habe ich abgebrochene Sätze vermieden.
Boericke gibt nicht für alle Rubriken Symptome an. Manchmal lässt er sogar Rubriken aus, die andere Autoren erwähnen. In solchen Fällen beginnt die Rubrik mit der Quellenziffer dieses Autors.
Modalitäten
Jede Rubrik jeden Arzneimittels beginnt mit Boerickes Text, mit Ausnahme der letzten vier Rubriken: Modalitäten, Begleitumstände, Verwandtschaft und Ursache. Alle Modalitäten von Boger sind aufgenommen und, soweit dies relevant war, durch Modalitäten von anderen Autoren ergänzt, die bei Boger nicht vorkommen.
Auf eine Zusammenfassung der Modalitäten, unterteilt in ‘Schlimmer’ und ‘Besser’, folgt ein Abschnitt mit der Quellenziffer 8. Die Information in diesem Abschnitt stammt von Clarke und enthält Einzelheiten zu den vorangehenden Umständen oder anderen Modalitäten. Hier kann der Leser die Symptome / Phänomene finden, auf die sich die Modalitäten von Boger [und ggfs. anderen Autoren] beziehen.
Begleitumstände
Diese Rubrik beschreibt die Zielgruppe oder die am besten geeigneten Umstände. Der Text kann von jeder der verwendeten Quellen stammen. Die ‘Begleitumstände’ sind keineswegs als exklusiv zu begreifen und schließen andere Gruppen oder Umstände nicht aus. Der Grad der Ähnlichkeit hat immer Vorrang!!
Verwandtschaft
Die nächste Rubrik, ‘Verwandtschaft’ ist von Clarke übernommen. Der erste Teil dieser Rubrik ‘Vergleiche’ liefert eine Differentialdiagnose zwischen dem besprochenen Arzneimittel und anderen Mitteln. Die anderen Teile der Rubrik beziehen sich auf Folgemittel, Antidote, Ergänzungsmittel usw.
Diese Rubrik kann auch Informationen von den anderen Autoren enthalten. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Arzneimittel, die von Boericke [oft mit kurzer Beschreibung] in seinem eigenen Buch unter ‘Arzneimittelbeziehungen’ erwähnt sind. Mittel, die bei Boericke nicht beschrieben sind, habe ich in dieser Materia Medica einzeln aufgeführt, außer wenn die Beschreibung sich auf eine Zeile beschränkt.
Ursache
Diese kleine Rubrik ist von Clarke übernommen und, wo dies relevant ist, mit Informationen von anderen Autoren erweitert.
Wertung
In seinem Repertorium gibt Kent jedem Arzneimittel in jeder Rubrik einen Wert. Leider war er dabei nicht immer konsequent. Zum Beispiel ein Arzneimittel das für ein bestimmtes Symptom als dreiwertig aufgeführt ist, steht manchmal im Repertorium bei einem ähnlichen oder identischen Symptom mit niedrigerem Wert. Obgleich Hering zum Beispiel klare Regeln für die Wertung von Symptomen hatte, scheint die Bestimmung des Symptomenwerts oft eine subjektive Angelegenheit zu sein. Wenn man acht Arzneimittellehren miteinander vergleicht, wird die unterschiedliche Bewertung schmerzlich offenbar. Kent empfiehlt drei verschiedene Werte: Normaldruck, Kursivdruck und Fettdruck [oder Großbuchstaben]. Keine der Arzneimittellehren, die Beiträge zu diesem Buch geliefert haben, erfüllen Kents Kriterien. Auf den ersten Blick haben zum Beispiel Allen, Clarke und Pulford keinerlei Unterschied gemacht. Bei ihnen sind alle Symptome in Normaldruck. Aber der Wert eines Symptoms lässt sich aus dem Text selbst erkennen, wenn das Symptom durch Adjektive wie ‘ausgeprägt’, ‘intensiv’, ‘heftig’ usw. näher bezeichnet ist. Darüberhinaus ist Clarkes Rechtfertigung der Nichtbewertung von Symptomen sehr plausibel: „Es wird Ihnen vielleicht auffallen, dass ich selten den relativen Wert von Symptomen durch unterschiedlichen Druck kenntlich gemacht habe. Dafür habe ich den folgenden Grund: obwohl ich keineswegs leugne, dass es nützlich ist ‘verdächtige’ Symptome, die sich als charakteristisch und wertvoll erwiesen haben, durch einen anderen Druck hervorzuheben, so lässt sich doch nicht vermeiden, dass Symptome, die nicht derartig gekennzeichnet sind, dadurch abgewertet werden. Ich habe so häufig meine Indikationen in Symptomen gefunden, die durch keinerlei Druckweise besonders betont waren, dass ich zögere, irgendwelche Symptome mit diesem Bann zu belegen. Dieses Problem wird durch meine Anordnung weitgehend aufgehoben. Wenn man alle Symptome, die ich unter der Überschrift ‘Charakteristika’ aufgeführt habe, allgemein als dreiwertig [fett] betrachtet und die Symptome, die nur in dem Rubrikschema vorkommen, als zweiwertig [kursiv] gelten lässt, so ergibt dies eine angemessene Einschätzung ihrer Wertigkeit.”
Boericke und Cowperthwaite verwenden ein zweiwertiges System, Normaldruck und Kursivdruck. Lippe hingegen trifft dreierlei Unterscheidungen. Cowperth-waite gibt an, in seiner Arzneimittellehre nur die ‘großen Charakteristika’ in Kursivdruck aufgenommen zu haben, damit meint er „Symptome, die sehr häufig in Arzneimittelprüfungen vorkommen und die in der Praxis mehrfach verifiziert wurden.”
Die Methode der Wertung, die Lippe verwendet, ähnelt der von Kent, allerdings ein Symptom, das von Lippe [in Kapitälchen] als dreiwertig gekennzeichnet ist, wird bei Kent nicht unbedingt als dreiwertiges Symptom aufgeführt. Und es gibt noch weitere verwirrende Diskrepanzen. Zum Beispiel mag Boericke in seiner Materia Medica ein Symptom als einwertig bezeichnen, und dasselbe Symptom ist bei Kent zweiwertig [kursiv] und bei Lippe dreiwertig [KAPITÄLCHEN].
Die Quellenziffern zeigen die Folge, in der ich die anderen Arzneimittellehren nach Boericke durchgearbeitet habe. Hätte ich beispielsweise immer mit Lippe begonnen anstatt mit Boericke, so wären die Wertungen ganz anders. Die Reihenfolge der verschiedenen Autoren, die ich schließlich aufgenommen habe – Boericke, gefolgt Boger, Lippe, Allen, Cowperthwaite, Pulford, Clarke, Kent und schließlich Hering – zeigt, dass ich mich mehr von praktischen Überlegungen habe leiten lassen, als mich an Kents Klassifizierungsmethode zu halten.
Alles in allem wird es zunehmend deutlicher, dass Clarkes Begründung sehr sinnvoll ist.
Kodierung in der Konkordanz
Zusätzlich zu den Kennziffern für die verschiedenen Autoren enthält der Text Kodes für die folgenden Arten von Symptomen, die in der Homöopathie wichtig sind: Begleitsymptome, wechselnde Symptome, Ätiologie und Schmerzausdehnung.
Begleitsymptome Wegen ihres ausgeprägten individuellen Charakters sind Begleitsymptome von großem Wert in der homöopathischen Analyse. Im Vorwort von Boenninghausens Characteristics and Repertory äußert sich Boger sehr klar dazu: „Ein Begleitsymptom kann das Wesen einer Droge so eindeutig und deutlich zeigen und folglich indizieren, dass es eine Bedeutung erlangt, die die Symptome der Hauptkrankheit weit übertrifft; dies weist dann auf das passendste Arzneimittel hin. Solche Symptome gehören vor allen anderen zu denen, welche Hahnemann als auffallend, sonderlich und eigenartig [charakteristisch] bezeichnete, und sie müssen unsere beinahe ausschließliche Aufmerksamkeit erhalten, weil sie der Gesamtheit ihre Individualität verleihen.” Hering legte ebenfalls großen Wert auf die Begleitsymptome. Seine ideale Kombination bestand aus vier Elementen: subjektive Empfindungen, Modalitäten, Begleitsymptome und Ort. Er schreibt: „Die Charakteristika lassen sich in einem oder mehreren finden. Drei Ruhepole sind, nach den Mathematikern, ausreichend, um einen Gegenstand zu stützen, daher können wir annehmen, dass drei Charakteristika ausreichend sein sollten, um eine Heilung sehr wahrscheinlich zu machen.”
Ein Begleitsymptom [in diesem Buch mit ‘&’ gekennzeichnet] ist ein Symptom, das gleichzeitig mit einem anderen Symptom auftritt. Zum Beispiel: Schwindelig & Sehstörungen [Schwindel zusammen mit Sehstörungen]
Ein Begleitsymptom ist dann gegeben, wenn zwei Phänomene in zwei verschiedenen Körperteilen gleichzeitig vorkommen.
Der Kode für Begleitsymptome lässt sich manchmal frei interpretieren. Symptome, die dem Hauptsymptom untergeordnet oder eine logische Folge desselben sind, wurden als Begleitsymptom gekennzeichnet. Zum Beispiel Otorrhoe & brennende Schmerzen [Otorrhoe mit brennenden Schmerzen] Diarrhoe & durchbohrende Schmerzen im After [Diarrhoe mit durchbohrenden Schmerzen im After]
Obgleich Symptome wie die oben genannten streng genommen nicht der Definition eines Begleitsymptoms entsprechen, habe ich mich dennoch entschlossen, sie so zu kennzeichnen, da es die Suche vereinfacht, wenn man die Daten eines Patienten auswertet. Es erlaubt dem Leser auch, Phänomene aufzuspüren, nach denen er/sie andernfalls in unterschiedlichen Rubriken im Repertorium suchen müsste. Ein weiterer wichtiger Grund für diesen Ansatz ist, dass es den Charakter eines Arzneimittels klarer porträtiert, als wenn man Repertoriumsrubriken miteinander verbindet.
In Fällen, in denen der Satz kein ‘&’ am Anfang erlaubte, beginnt das Symptom mit dem Wort ‘Mit’.
Begleitsymptome wie ‘Photophobie während Kopfschmerzen’ können einen nützlichen Hinweis in der Fallanalyse liefern. Das Repertorium gibt uns vier Arzneimittel: Ferrum phosphoricum, Kalium phosphoricum, Natrium sulfuricum und Tarentula. Hering erwähnt weitere elf Mittel: Apis, Cactus, Carbo animalis, Chelidonium, Kalium carbonicum, Lac defloratum, Lilium tigrinum, Sanguinaria, Sepia, Zincum und Zingiber. Ebenso verhält es sich mit der ‘Empfindung, als würden die Augen herausgedrückt während Kopfschmerzen’. Phosphorus, dem einzigen Mittel im Repertorium, fügt Hering die Folgenden hinzu: Chamomilla, Gymnocladus, Ignatia, Lachnanthes, Lycopus, Medorrhinum, Nux vomica, Pulsatilla, Sabina, Sanguinaria, Scutellaria, Sepia, Silicea, Spigelia und Zincum.
Alternierende Symptome
Alternierende Symptome sind ebenso wichtig wie die Begleitsymptome, besonders wegen ihres individuellen Charakters. Ein alternierendes Symptom ist der Wechsel zwischen zwei Phänomenen, in den vorliegenden Buch mit ‘#’ verschlüsselt. Zum Beispiel: Lachen # Weinen [Lachen im Wechsel mit Weinen] Kopfschmerzen # Rückenschmerzen [Kopfschmerzen im Wechsel mit Rückenschmerzen] Gesicht rot # blass [Gesichtsfarbe wechselt zwischen rot und blass]
Ätiologie
Zusätzlich zu einer separaten Rubrik am Ende jedes Arzneimittelbildes [Ursache von Clarke abgeleitet], wurde der Grund oder die Ursache für das Auftreten eines Symptoms wenn möglich in den Text aufgenommen. Ebenso wie die separate ‘Ursache-Rubrik’ stammen sie weitgehend von Clarke. Der Unterschied ist, dass die Umstände, die in der Ursache-Rubrik aufgeführt sind, gewöhnlich zu permanenteren Beschwerden führen, während die Gründe, die mit dem Kode ‘=’ verschlüsselt sind, eher vorübergehende Beschwerden zur Folge haben und nur solange vorhanden sind, wie die Ursache besteht. Zum Beispiel: Gehen im Freien = Schwindelgefühl [Gehen im Freien führt zu Schwindelgefühl] Aufsitzen im Bett = Schwindel [Aufsitzen im Bett verursacht Schwindel] Denken = Kopfschmerzen [Denken verursacht Kopfschmerzen]
Syntaxregeln haben mich manchmal daran gehindert, diese Kodierung genau zu verwenden. Daher sollten Begriffe wie ‘wegen’, ‘als Ergebnis von’, ‘Folgen von’ und ‘Beschwerden durch’ auch als Ursachen berücksichtigt werden. Schmerzausdehnung
Jede Schmerzrubrik in Kents Repertorium endet mit einem Abschnitt ‘Ausdehnung’. Hier sind die Körperteile aufgelistet, zu denen sich die Schmerzen ausdehnen oder verlagern. Wegen der individuellen Natur solcher Symptome entschloss ich mich, sie mit dem Kode ‘c’ zu verschlüsseln. Zum Beispiel: Schmerzen im Hinterkopf c Stirn. Magenschmerzen c rechte Scapula und Spitze der Scapula. Schmerzen im Uterus c über die Oberschenkel. In der Regel liest man das Zeichen ‘c’ am besten als ‘in Richtung’ oder ‘mit Ausdehnung zu’.
Links und Rechts
Zwei Abkürzungen wurden verwendet: re. für rechts, li. für links.
ZUSAMMENFASSUNG
Ich habe die Kodierung verwendet, um die Suche zu erleichtern und eigenartige individuelle Symptome von Patienten und Arzneimitteln zusammenzustellen.
Bedeutung der Symptomenkodes
& zusammen mit, in Verbindung mit [Begleitsymptom] # im Wechsel mit [alternierendes Symptom] c mit Ausdehnung zu, übergehend auf, verlagert sich in = verursacht, führt zu
Kodeziffern für die Autoren
1 Boericke
2 Boger
3 Lippe
4 Allen
5 Pulford
6 Cowperthwaite
7 Kent 8 Clarke
9 Vermeulen
10 Hering
SCHLUSSBEMERKUNG
Mit wenigen Ausnahmen wurden Boerickes Richtlinien zu Potenzen ausgelassen. Aufgrund der folgenden Bemerkung von Boericke zu dem Thema erschien mir diese Entscheidung gerechtfertigt. „Die Dosierung ist mit Vorbehalt zu betrachten. Diese Angaben sind selbst-verständlich nur als Vorschläge gedacht; häufig können sie völlig außer Acht gelassen werden. Ich habe mich in dieser Hinsicht an die Richtlinien der früheren Homöopathen gehalten, angegeben, was als das gewöhnliche Spektrum der Potenzen gilt und diesem meine eigenen Erfahrungen und die Beobachtungen von Kollegen hinzugefügt. Jeder, der die Materia Medica unterrichtet, wird von Studenten ständig dazu gedrängt, Vorschläge zu Potenzen zu machen – um wenigstens einen ersten Anhaltspunkt zu haben.” [Boericke, S. IV] Der Wahlspruch des St. Paulus ‘Prüfe alles und behalte das, was sich als gut erweist’ war Constantin Herings Voraussetzung für die Zusammenstellung einer guten homöopathischen Materia Medica. Ebenso wie Hering war Boericke der Ansicht, dass die Wirkung von allen Substanzen auf gesunde und kranke Menschen, Tiere und Pflanzen studiert werden sollte, seien es Speisen, Getränke, Gewürze, Drogen oder Giftstoffe.
Boericke eifert auch bei der Bezeichnung von Krankheiten Hering nach. Zumal nicht alle Arzneimittel geprüft worden sind, fehlen gelegentlich einzelne Symptomenelemente – doch solche Elemente sind der einzige legitime Anhaltspunkt zur Auswahl des heilenden Arzneimittels. Herings Ziel bei der Bezeichnung von Krankheiten war es eher, die große Vielzahl von Arzneien für eine beliebige Beschwerde zu zeigen, anstatt Arzneimittel mit spezifischen Krankheiten zu verbinden. Folglich kann ein Arzneimittel nicht auf der Basis der Nosologie gewählt werden. Der Gemütszustand, die Allgemeinsymptome, die Modalitäten, Ursachen, Begleitsymptome, alternierende Symptome und subjektive Phänomene wie die ‘subjektiven Empfindungen’ sind von großer Bedeutung. Dies ist genau das Gebiet, das von der Kombination der Daten von den von mir gewählten Autoren abgedeckt wird.
Ob man eine kurzgefasste oder eine ausführliche Arzneimittellehre verwendet, die Interpretation der Symptome ist ein ständig gegenwärtiges Problem. Die Geschichte des Patienten muss in Symptome und Rubriken umgewandelt werden, die sich zuerst im Repertorium und anschließend in der Materia Medica aufspüren lassen.
Das Studium der Materia Medica ist schwierig und zeitaufwendig, bemerkt Phatak. Es gibt keinen kurzen oder leichten Weg zum Erfolg.
Ich hoffe, dass dieses Buch Homöopathen ermöglicht, sich ein klares Bild von den grundlegenden Arzneimittelbilder zu verschaffen und die Symptome ihrer Patienten richtig zu analysieren.
Frans Vermeulen, Kristinehamn, Schweden, im Januar 2000
VORWORT ZUR ÜBERSETZUNG
Jean Paul Sartre hat einmal gesagt, eine Übersetzung sei die gründlichste Art, einen Text zu lesen. Frans Vermeulens Konkordanz ist eine Materia Medica, die nur ‘gründlich’ lesbar ist. Als erstes empfehle ich allen Lesern die Lektüre des vorangehenden Vorworts zur dritten Auflage. Darin sind alle Kennziffern und Zeichen aufgeschlüsselt, die in dem Text verwendet wurden. Ohne eine Kenntnis dieser Kodes ist ein korrektes Verständnis des Materials nicht möglich.
Übersetzungstechnisch stellte die Konkordanz vor allem ihres Formats und Umfanges wegen eine Herausforderung dar. Dieses Buch wimmelt von kleinen Zahlen, Symbolen, Satzzeichen, Stilen und Abkürzungen, die u.U. die Bedeutung eines Symptoms völlig verändern können. Die getreue Wiedergabe all dieser ‘Kleinigkeiten’ ist ebenso wichtig wie die eigentliche Übersetzung der englischen Wörter ins Deutsche. Aus diesem Grund wurde die gesamte Konkordanz im englischen Dokument Wort für Wort ersetzt [die neue Auflage enthält ca. eine Million Wörter!]. Mit dieser ungewohnten Methode hofften wir, sowohl Zeit zu sparen, als auch Übertragungsfehler zu vermeiden.
Bis auf wenige Ausnahmen wurde die englische Interpunktion beibehalten, einschließlich der Kommata, die in diesem Werk ähnlich verwendet sind wie im Repertorium; d.h. ein Komma kann eine Trennung zwischen zwei Symptomen darstellen. Bei Mag-p. zum Beispiel finden Sie unter Frost die Symptome ‘nach dem Mittagessen’ und ‘abends’ [after dinner, in evening]. Hier habe ich das Komma ausnahmsweise durch ein ‘sowie’ ersetzt, um Missverständnisse zu vermeiden. In Hahnemanns Original sind es zwei voneinander völlig unabhängige Symptome: ‘Frost nach dem Mittagessen’ und ‘Frost abends’. Zusätzliche Kommata wurden der grammatikalischen Korrektheit halber vor vielen Nebensätzen eingefügt.
Zur Wortwahl
Dinner wurde fast immer mit Mittagessen übersetzt, da ‘dinner’ sehr häufig eine Übersetzung von ‘Mittagessen’ aus Hahnemanns Texten ist und da die Zeit des Mahles bei dieser Modalität ebenso wichtig sein kann wie die Nahrungsaufnahme selbst. Depression bzw. mental depression wurde weitgehend mit Niedergeschlagenheit übersetzt, um ein breiteres Spektrum zu indizieren als ein ‘depressives Syndrom’ und auch um Verwechslungen mit organischer Depression [= herabgesetzte Funktionsfähigkeit] zu vermeiden. Sadness wurde mit Trübsinn [anstatt ‘Traurigkeit’] übersetzt, da es sich hier nicht um eine Stimmung, sondern um eine Gemütsverfassung handelt. ‘Sadness’ und ‘mental depression’ bilden in Kents Repertorium eine Rubrik, und ‘despondency’ [hier übersetzt mit Verzagtheit] ist ein Querverweis zu derselben Rubrik. Daher schlage ich vor, dass Trübsinn, Niedergeschlagenheit und Verzagtheit synonym verwendet werden können. Dullness ist ein komplexer Terminus. ‘Mental dullness’ entspricht in den älteren Wörterbüchern [um 1900] dem deutschen Begriff ‘Schwachköpfigkeit’. Im neuesten Collins [1999] ist es als ‘Langsamkeit, Trägheit, Lustlosigkeit, Langweiligkeit’ übersetzt. Um dem Bedeutungsspektrum gerecht zu werden, übersetze ich mental dullness hier mit Geistestrübung, ein allgemein gehaltener Begriff, zu verstehen als Stumpfheit der geistigen Fähigkeiten, im Unterschied zu geistiger Schärfe und Klarheit. In der Kopfrubrik wurde dullness meist mit Benommenheit übersetzt, da es dem Hahnemannschen ‘Eingenommenheit des Kopfes’ entspricht. In allen anderen Rubriken bezeichnet dull in der Regel eine stumpfe Schmerzqualität und wurde daher mit stumpf bzw. dumpf übersetzt. Emotions wurde weitgehend mit Gemütsbewegung übersetzt. Im deutsch-englischen Langenscheidt von 1910 kommt ‘Emotion’ als deutsches Wort noch gar nicht vor. Ferner ist die Bedeutung dieses Begriffes derzeit in einem so starken Wandel begriffen, dass ich es für angemessen hielt, es in der vorliegenden Übersetzung so weit wie möglich zu vermeiden. Prostration wurde dann mit Prostration übersetzt, wenn es im Original durch ein Adjektiv wie ‘great’ oder ‘intense’ besonders betont war. Laut Pschyrembel bedeutet Prostration ‘äußerste Erschöpfung’. Mit der Wahl dieses Fachbegriffes wollte ich unnötig lange Übersetzungsalternativen wie ‘hochgradiger Kräfteverfall’ möglichst vermeiden, was nicht immer gelungen ist.
Verwendete Quellen
Nachdem ich bei der Übersetzung der Synoptischen Materia Medica II von Frans Vermeulen bei jedem einzelnen ‘volkstümlichen’ Pflanzennamen und chemischen Element eine unzählige Menge von Quellen konsultiert und meine eigene Fachbibliothek beträchtlich erweitert habe, um die Signaturen korrekt übersetzen zu können, war es ein wahres ‘Geschenk des Himmels’, als Jörg Wichmann mir 1997 sein damals druckfrisches Buch Die natürliche Verwandtschaft der Heilmittel schickte. Alle in der Konkordanz verwendeten deutschen Arzneimittelnamen sind dieser Quelle entnommen. Ein weiteres unentbehrliches Nachschlagewerk war Muret-Sanders zweibändiges zweisprachiges Wörterbuch von 1910. Zahlreiche in der Homöopathie verwendete Termini haben im vergangenen Jahrhundert ihre Bedeutung verändert und werden heute anders verwendet als damals oder sind ‘aus der Mode’ gekommen. Für die Übersetzung der Konkordanz wurden hauptsächlich die folgenden Hilfsmittel verwendet: Muret-Sanders Enzyklopädisches Wörterbuch (Original-Methode Langenscheidt, 1910). Oxford English Reference Dictionary (der ‘größte’ Oxford, 2. Aufl. auf CD). Collins German Dictionary (zweisprachiges Wörterbuch, Ausg. von 1994 und 1999). Medical and Pharmaceutical Dictionary (Bunjes). Reine Arzneimittellehre und Chronische Krankheiten (Hahnemann). Die natürliche Verwandtschaft der Heilmittel (Bolte & Wichmann). Klinisches Wörterbuch (Pschyrembel). Pharmazeutisches Wörterbuch (Hunnius). Grimms Deutsches Wörterbuch (etymologisches Wörterbuch in 33 Bänden). Die wenigen Begriffe, die ich in diesen Nachschlagewerken nicht finden konnte, wurden aus dem englischen Original übernommen.
Veronika Theis, St. Ives, Großbritannien, im Januar 2000
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